N[EW]sletter "Forschungsimpulse Erziehungswissenschaft"

Ausgabe #3-23 — 5. Juli 2023

Hallo und Moin,

das Thema Lehrkräftemangel erfährt derzeit eine große öffentliche Aufmerksamkeit. Um mehr Lehrkräfte zu gewinnen und auszubilden, wird in Hamburg einiges getan werden - wie die Universität Hamburg die Lehrkräftebildung zum zentralen Thema macht, lesen Sie direkt unten im Interview.

Wie lernen angehende Lehrkräfte den kompetenten Umgang mit Daten? Unter welchen aktuellen Bedingungen entwickelt sich die weltweite Erwachsenenbildung? Und wie machen wir das Bildungssystem resilient für Krisen? Dies und vieles mehr finden Sie wie immer unter den Rubriken  "Einblicke in die Forschung", "Impulse für die Praxis" und "in und aus Hamburg".

Unser Forschungs-Podcast "Bildungsschnack" geht nach 18 Folgen in die kreative Schaffenspause - Sie können sich bereits auf die neuen Folgen ab Herbst 2023 freuen.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!

Ihre Fakultät für Erziehungswissenschaft

Hier zum N[EW]sletter anmelden

Wir freuen uns, dass Sie bereits unseren N[EW]sletter abonniert haben. Bitte leiten Sie ihn mit der Einladung zum Abonnieren auch gern an interessierte Kolleg:innen weiter!

kostenlose Anmeldung zum N[EW]sletter

UHH/von Wieding

„Wir haben die Lehrkräftebildung zum Top-Thema erklärt“

Gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer werden dringend gesucht. Voraussetzung dafür ist es, dass sich in den kommenden Jahren viele junge Menschen für ein Lehramtsstudium an einer Universität entscheiden. Im Interview sprechen UHH-Präsident Prof. Dr. Hauke Heekeren, Prof. Dr. Susanne Rupp (Vizepräsidentin für Studium und Lehre) und Prof. Dr. Eva Arnold (Dekanin der Fakultät für Erziehungswissenschaften und Leiterin des Zentrums für Lehrerbildung Hamburg (ZLH)) über Herausforderungen bei der Lehrkräftebildung sowie über Maßnahmen, um Studieninteressierte zu gewinnen.

Lehramt studieren? Neues Info-Portal

Die Universität Hamburg bietet mit einer neuen Lehramtsseite alle wichtigen Informationen rund um das Lehramtsstudium in Hamburg. Von der Orientierung über die Fächerwahl bis zum konkreten Studieneinstieg und -ablauf ist alles Wichtige für Studieninteressierte zusammengefasst.

Einblicke in die Forschung

UHH/Bildungsschnack

Klimawandel als Unterrichtsthema oder digitales Klassenbuch: Datenkompetenzen für Lehrkräfte

Ein interdisziplinäres Projekt zwischen Geographie- und Informatik-Didaktik

Daten unterschiedlichster Art spielen in unserer Welt eine immer größere Rolle. Der Umgang mit ihnen will gelernt sein - für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrerinnen und Lehrer. Im Projekt "Datenkompetenz für Lehrkräfte" erarbeiten Prof. Dr. Sandra Schulz (Informatikdidaktik) und Prof. Dr. Sandra Sprenger (Geographiedidaktik) mit Studierenden den informierten Umgang mit Daten. Im Podcast erzählen die beiden vom Bau einer Wetterstation, was sie alles unter dem Begriff "Daten" verstehen und wo Datenkompetenz im schulischen Alltag eine Rolle spielt.

privat

Junge Forschung: Wider die Kommerzialisierung - „Community Owned Sports Clubs“

Sportvereine können ein wichtiger Ort für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sein, an denen demokratische Praxis gelebt wird. Fabian Fritz aus dem Arbeitsbereich Sozialpädagogik hat sich in seinem Promotionsvorhaben acht englische Fußballvereine, sogenannte "Community Owned Sports Clubs" angeschaut. Im Gespräch erzählt er, wie in diesen demokratisch organisierten Vereinen Demokratiebildung umgesetzt wird und welche Rolle sie im zunehmend kommerzialisierten Fußball einnehmen.

UHH/Scholz

In gemeinsamer Sache: Fakultät veröffentlicht Transfer-Leitbild

Transfer ja bitte - aber wofür genau, mit wem und wie? Die Fakultät für Erziehungswissenschaft hat in einem partizipativen Prozess ein Transfer-Leitbild entwickelt, welches neben dem Transferverständnis einen grundlegenden Rahmen zu den Zielen und dem Selbstverständnis der Fakultät als transferorientierter wissenschaftlicher Einrichtung skizziert. Dieses Transfer-Leitbild ergänzt das bereits entwickelte Transferverständnis um eine jeweilige Zielrichtung in den Bereichen pädagogisch Handelnde, Bildungsinstitutionen, Bildungsadministration und -politik sowie Gesellschaft und Kultur. Das mission statement lautet: "Wissenschaftlich fundierte und qualitativ hochwertige Bildung miteinander dialogisch gestalten."

Impulse für die Praxis

UHH/Bildungsschnack

Lebenslange Bildung in anderen Ländern und was wir daraus lernen können

Prof. Dr. Anke Grotlüschen und Werner Mauch berichten in dieser Folge wie Erwachsenenbildung in einem internationalen Kontext umgesetzt wird. Werner Mauch ist ehemaliger Leiter des UNESCO-Instituts für Lebenslanges Lernen und gibt einen spannenden Einblick in die Verzahnung von Wissenschaft, Praxis und Politik. Prof. Dr. Anke Grotlüschen aus dem Arbeitsbereich „Erwachsenenbildung und Lebenslanges Lernen“ unterstützt dies mit Einblicken in eine international durchgeführte Erwachsenenbildungsstudie, die sich mit Barrieren und positiven Umsetzungsmöglichkeiten von Lebenslangem Lernen auseinandersetzt.

„Auch Deutschland muss bei der Erwachsenenbildung besser werden“

Das Forschungsprojekt „Study on Adult Learning and Education“ hat den Stand der Erwachsenenbildung in acht Ländern untersucht. Im Interview spricht Prof. Dr. Anke Grotlüschen über die Herausforderungen des Sektors und die Rolle im politischen Diskurs.

Transfer: Potenziale und Herausforderungen - Nachbericht EMSE-Tagung

Am 22.06. und 23.06.2023 fand an der Universität Hamburg die Netzwerktagung der empiriegestützten Schulentwicklung (EMSE) statt. Dabei haben sich insgesamt über 100 interessierte Personen aus der Administration, der Bildungspolitik und der Bildungsforschung mit dem Thema Transfer auseinandergesetzt. Nicht nur in den verschiedenen Veranstaltungsformaten, auch in den Flurgesprächen und den Café-Pausen wurde angeregt „genetzwerkt“. Als Veranstalter:innen freuen wir uns, dass wir dafür einen Rahmen bieten konnten. Deutlich wurde im Laufe der Netzwerktagung auch, dass Überlegungen zu „Transfer – Potenziale und Herausforderungen“ noch nicht zu Ende gedacht werden konnten und sicherlich zukünftig auch noch neuen Herausforderungen begegnet werden muss. Somit möchten wir gerne alle, die bei uns in Hamburg waren, aber auch die, die nicht dabei sein konnten, ermutigen, das Netzwerk EMSE im Blick zu behalten und die nächste EMSE-Tagung im Herbst 2023 für weiteren Austausch zu nutzen.

UHH/Bildungsschnack

Sprachliches und fachliches Lernen – zwei Seiten einer Medaille

Auch Sachfächer wie beispielsweise Physik kommen nicht ohne Sprache aus - im Unterricht werden Begriffe verwendet, Ideen artikuliert und Zusammenhänge beschrieben. Doch diese Fachsprache müssen Schülerinnen und Schüler lernen. Die sprachliche Seite des Fachunterrichts ist nicht nur Kommunikation, sondern zentral für das fachliche Lernen. Das Projekt PhyDiv (Physikunterricht im Kontext sprachlicher Diversität) untersucht, wie ein sprachexpliziter Unterricht, in dem also Sprache zum Gesprächs- und Lerngegenstand wird, konkret aussehen kann, und welchen Unterschied er für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler macht. Im Gespräch erzählen Prof. Dr. Dietmar Höttecke und Dr. Hanne Brandt, wie genau sie dies mit über 700 Schülerinnen und Schülern erforschen, was für sie besondere Momente im Projekt waren und was sie sich von den Forschungsergebnissen erhoffen.

Praxis fragt Wissenschaft

Forschung bedeutet, Fragen zu stellen und Antworten zu finden. In jeder Ausgabe des Newsletters wird eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler unserer Fakultät eine Ihrer Fragen beantworten. Dieses Mal:

„Quo vadis Bildungssystem? Wie machen wir unser Bildungssystem resilient für aktuelle und zukünftige Krisen?“

Ingrid Gogolin: „Ich schaue auf diese Frage aus der Perspektive der sprachlichen Bildung in unserer Einwanderungsgesellschaft. Durch Krisen ausgelöste Herausforderungen an das Bildungssystem werden zukünftig in kürzeren Abständen entstehen und Reaktionen erfordern. Im März haben wir während der BMBF-Tagung „Chance Bildung“ über aktuelle Beispiele wie Fachkräftemangel und Fluchtmigration diskutiert.

Ich erläutere das einmal an der Herausforderung der sprachlichen Bildung. Deren Gestaltung sollte weitreichende Veränderungen der Anforderungen an sprachliche Fähigkeiten berücksichtigen, die sich etwa infolge von neuen Technologien und Entwicklungen am Arbeitsmarkt stellen. Zudem muss die Herausforderung gemeistert werden, dass die sprachlichen Bildungsvoraussetzungen der Schülerschaft sich enorm verändert haben. Eine Ursache dafür ist sprachliche Vielfalt infolge von Migration. Meine Beobachtung ist, dass die bisherige Praxis der vor allem projektförmigen, unsystematischen Reaktionen auf diese Herausforderungen nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt hat. Insbesondere die Praxis, auf „neue Krisen“ durch eilige Errichtung von „Notmaßnahmen“ zu reagieren, die nach der vermeintlichen oder tatsächlichen Krisenbewältigung wieder abgebaut werden, hat sich nicht bewährt.

Ergebnisse der Bildungsforschung geben Hinweise auf Stellschrauben im Bildungssystem, die gedreht werden müssten, um (nicht nur) in der sprachlichen Bildung auf den Wandel der Anforderungen besser eingestellt zu sein. Eine Voraussetzung dafür ist es anzuerkennen, dass auch künftig der Wandel nicht linear vonstattengehen wird, sondern abrupt und diskontinuierlich. Daher muss das Bildungssystem darauf eingerichtet werden, dass der Umgang mit Diversität, Unvorhergesehenem und Störungen nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall ist und sein wird. An bildungs- und forschungspolitisch Verantwortliche richtet sich aus meiner Sicht die Anforderung, in Strukturen und Qualifikationen zu investieren, die die Adaption an den Wandel ermöglichen. Dazu gehört nicht zuletzt ein neues Zeitregime für die Förderung von Maßnahmen: an die Stelle kurzfristig angelegter Projekte wären verlässliche Entwicklungspartnerschaften zwischen Forschung und Praxis sinnvoll und nachhaltig wirksam.“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ingrid Gogolin ist Professorin für Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Der Text basiert auf ihrem Beitrag zur Tagung „Chance Bildung“ des BMBF, 14. und 15. März 2023 in Berlin.

Stellen Sie uns Ihre Frage – wir antworten

In unserem N[EW]sletter-Format „Praxis fragt Wissenschaft“ beantworten die Wissenschaftler:innen der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg Fragen aus der Community.

Haben Sie auch eine Frage aus dem weiten Feld von Bildung, Erziehung und Lernen, die Sie gerne von unseren Wissenschaftler:innen beantwortet haben möchten? Schicken Sie uns Ihre Frage!

In und aus Hamburg

UHH/TTT

Tricontinental Teacher Training: Auftakt zum neuen Austausch-Zyklus

Am Dienstag, den 23.05., fand die Auftaktveranstaltung des Tricontinental Teacher Training Projekts statt. 40 Studierende aus Ghana, North Carolina und Hamburg trafen sich gemeinsam mit Gastfamilien, Mentor:innen und Lehrenden.

Diversitätssensibilität in der Hochschullehre

Das Projekt "DiCoT" (Diversity Contexts in Teacher Education) thematisiert die Bedeutung von Diversitätskontexten für die Lehramtsausbildung. In diesem Semester wurde zum zweiten Mal eine Anti-Bias-Schulung durchgeführt, die es Lehrenden ermöglicht, sich erfahrungs- und handlungsorientiert mit Macht und Diskriminierung auseinanderzusetzen und daraus als Multiplikator:innen Konzepte für die eigene Lehre zu entwickeln - für das Orientierungspraktikum und darüber hinaus.

Wir haben das Projekt DiCoT in unserem Podcast "Bildungsschnack vorgestellt - die Folge können Sie hier anhören.

Veranstaltungen und Kooperationen

+++

Next Generation Literacies Summer School

Vom 28. August bis zum 1. September richtet das Netzwerk Next Generation Literacies eine virtuelle Summer School zum Thema "Linguistic Diversity, Education and Social Participation" aus. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt und thematisiert in Inputs und Arbeitsgruppen mehrsprachige Bildung und sprachliche Diversität in allen Ebenen der Bildungslaufbahn. Weitere Informationen finden Sie hier.

+++

Literacy Promptathon 

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist in aller Munde, nicht erst seit dem Launch von ChatGPT im vergangenen Herbst, aber seitdem doch mit noch einmal stärkerer Intensität. Anlässlich des diesjährigen Weltalphatags veranstaltet daher der Arbeitsbereich Erwachsenenbildung und Lebenslanges Lernen der Universität Hamburg einen Literacy Promptathon, um sich mit den Chancen auseinanderzusetzen, die sich aus den Möglichkeiten des Einsatzes von KI für die Grundbildung ergeben können. Die Veranstaltung findet nicht am Weltalphatag selbst statt, sondern bereits am 5. September 2023. Die Veranstaltung richtet sich an Forschende und Interessierte an den Themen Alphabetisierung und Grundbildung. Weitere Infos und Anmeldung (die Teilnahme ist kostenlos) finden Sie hier.

Aus Medien und Publikationen

 #IchBinArmutsbetroffen: Prof. Dr. Holger Schoneville im Deutschlandfunk Kultur

Seit ungefähr einem Jahr erzählen Menschen auf twitter unter dem Hashtag #IchBinArmutsbetroffen von ihren Erfahrungen und Herausforderungen mit Armut. Prof. Dr. Holger Schoneville aus dem Arbeitsbereich Sozialpädagogik erforscht die Debatte in den sozialen Medien. Im Gespräch im Deutschlandfunk Kultur erzählt er von der bisherigen Forschung und wie sich der Diskurs und die Sichtbarkeit von Armutsbetroffenheit seither verändert haben. Das Audio können Sie hier anhören.

+++
 
 Wie Eltern mit Kindern über KI reden können - Prof. Dr. Sandra Schulz im Interview

Wie können Eltern mit ihren Kindern über die Chancen und Risiken von Künstlichen Intelligenzen wie ChatGPT sprechen? Und was können sie tun, wenn ChatGPT möglicherweise die Hausaufgaben erledigt hat? Sandra Schulz, Juniorprofessorin für Informatik, gibt Hinweise für den reflektierten Umgang und ermutigt Eltern, selbst die KI besser kennenzulernen. Der Artikel mit Interviewausschnitten ist unter anderem in der Süddeutschen Zeitung erschienen.

+++

Ihre Anregungen

Haben Sie Themenwünsche? Möchten Sie von etwas mehr oder weniger lesen?
Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anregungen. Schicken Sie uns gern eine Mail an das Redaktionsteam unter wissenschaftskommunikation.ew@uni-hamburg.de